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Vorwort in der Anthologie "Irgendwas mit Schreiben"
Zur literarischen Lebenskunst als eine Renaissance der antiken Philosophie

Stellen wir uns vor, wir seien alt, sehr alt – so alt, dass wir behaupten können: Wir haben unser Leben gelebt. Im Sterben liegend werden wir von unseren Kindern oder Enkelkindern gefragt: „Wenn du dein Leben noch einmal leben könntest, würdest du irgendetwas anders machen?“ Das Ziel sollte sein, auf diese Frage – wann immer sie gestellt werden mag – antworten zu können: „Nein, ich wu?rde es genau so noch einmal leben. Das war mein Leben und es war gut so.“

Was ist ein gutes Leben? Nach welchen Kriterien lässt sich ein Leben als ein gelungenes bewerten? Und was kann man tun, damit man das eigene Leben gelungen führen kann? Die Frage danach, womit man zufrieden ist, schwingt hier mit; die Frage nach Erfüllung und Glück – nicht erst rückblickend am Lebensende, sondern schon am Ende eines jeden einzelnen Tages.

So wie Holz das Material des Zimmermanns, Bronze das des Bildhauers ist, so ist das Material der Lebenskunst das Leben jedes Einzelnen. (Epiktet)

Bereits in der Antike war die Lebenskunst ein manifestes Thema der Philosophie. Analog der griechischen Wendung téchné tou bíou oder auch der lateinischen Variante ars vitae und ars vivendi wurden Techniken der Lebensführung entwickelt. Gut zu leben ist die Kunst der Übung und kein Produkt des Zufalls. Es bedarf, so lehrten es Platon und Aristoteles, die Philosophen der Stoa und der hellenistischen Schulen, geistige Disziplin und Übung. Die philosophische Schule des Epikur strebt in seiner freigeistigen Lebenshaltung nach Glück und Freude am Leben. Ferner beinhaltet sie eine Philosophie der Lebenskunst, die ein Training, eine Ästhetisierung aller Sinne vorsieht, um ein Projekt zu verwirklichen – zum Beispiel das Projekt namens Leben. Körper und Geist werden in eine gute Form gebracht, die zu mehr Lebensqualität führen soll. Als Trainingspraktiken werden Meditation zwecks Innehalten und Nachdenken, Gespräche mit Freunden zwecks Austausch und geistiger Bereicherung, sowie das schriftliche Festhalten von Weisheiten in Notizbüchern (den hypomnemata) zwecks Erinnern und Reflektieren, vorgeschlagen. Sich um sich selbst, seine Seele, die Wahrheit und die Ehre zu sorgen, wurde als ebenso wichtig erachtet wie die Sorge um das materielle Auskommen.

Der Fokus änderte sich mit dem zunehmenden Einfluss der Religion. Die ursprünglich auf ein moralisch gutes Leben orientierte Selbstsorge wurde zum negativ konnotierten Egoismus degradiert. Im religiösen Kontext wird das Leben in jedem Punkt des Tagesplans, körperlich, geistig und spirituell, auf das Dienen für Gott ausgerichtet. Alles Irdische dient einzig dem Ziel, ein gutes Leben im Jenseits, im Paradies zu ermöglichen. Damit dieser Zweck nicht verfehlt wird, übernimmt die Religion die Aufgabe der Lebenskunst und gibt den Menschen jenes Regelwerk für das gute Leben an die Hand: Die zehn Gebote, die Regula Benedicti, die Thora, der Koran und viele mehr erstellen die ersten Handlungsanweisungen für ein gutes Leben. […] Lebenskunst heißt, Lebenspläne zu schmieden und den Entwurf seiner selbst zu verwirklichen. Was aber bedeutet nun Lebenskunst für Schriftsteller, für Menschen, die ihre Lebensmaxime im Schreiben definiert haben? Die Frage, was mit dem eigenen Leben anzufangen sei, was dem Leben Sinn gebe, stellt sich jemandem, der sich für eine Ausbildung an einer Schreibschule entschlossen hat, nicht mehr in existenzieller Gänze. Literarische Lebenskunst bedeutet:
Leben, um zu schreiben. […]

Das Buch ist als eBook bei mikrotext erschienen.