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Laudatio auf Loz Verney 2012
Laudatio zur Vernissage der Kunstausstellung "Loz Verney" in der Färberei München am 19. April 2012

Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde, lieber Loz,

Es ist jetzt kaum sechs Jahre her, dass ich Loz Verney zum ersten Mal begegnet bin. Im Dezember 2006 sollte ich meine Schwester zu einer Geburtstagsfeier begleiten, zu der sie, jedoch nicht ich eingeladen war. Das Geburtstagskind und ich – wir waren uns noch nie zuvor begegnet. Doch das ist typisch für Loz: Freunde und Freundesfreunde sind gleichermaßen willkommen. Und so stand ich an diesem Abend, eh ich mich versah, mit einem Glas Rotwein in der Hand unter lauter Menschen, die ich nicht kannte. Doch bei einem, das muss ich so sagen, hatte ich sofort das Gefühl: Wir haben eine Verbindung. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir uns an jenem Abend großartig unterhalten haben und wenn ja, über was. Aber allein diese Begegnung war der Grundstein für eine wunderbare Freundschaft, die – geprägt von der Neugierde, wer der andere denn nun sei, was er für Geschichten zu erzählen hat, woher er kommt und wohin er gehen will – viele schöne Momente hervorgebracht hat.

Heute Abend möchte ich Sie alle herzlich einladen, ebenfalls in diese Persönlichkeit, in Loz Verneys Leben, seine Geschichten und Gedanken einzutauchen. Heute Abend habe ich – erneut in der Färberei – die Ehre, Sie willkommen zu heißen in einer Ausstellung von Loz Verney. Mit der gleichen Offenheit und Herzlichkeit, mit der mich der Künstler damals in seiner Wohnung, auf seiner Geburtstagsfeier begrüßt hat, stellt er sich Ihnen in seinen Bildern vor.

Schon bei den ersten Blicken auf diese großformatigen Ölgemälde fallen einem die Hochhäuser ins Auge. Sie sind überall. Loz wurde in London geboren und ist in Roehampton aufgewachsen, einem Stadtteil, den man als sozialen Brennpunkt bezeichnet. Seit er im Alter von sieben Jahren zu malen begann, standen ihm die Wohnblöcke in seiner direkten Umgebung Modell. Als Kind, so erzählte er mir, habe er sich geborgen und beschützt gefühlt zwischen ihren Mauern. Sie waren für ihn wie riesige Kisten, in denen ein Feuerwerk gezündet wird. Und genau darin liegt bereits all die spannungsvolle wie auch spannende Doppeldeutigkeit von Loz Verneys Arbeit: Kisten, in denen ein Feuerwerk gezündet wird, bergen eine Gefahr. Und zugleich möchte man fasziniert zuschauen, was passiert.

Genau das tut Loz bis heute: Er schaut mit wachem wie auch kritischem Blick auf die Welt und portraitiert in seiner Malerei die Spannungsverhältnisse zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Man kann seine Kunst durchaus unter politischen Aspekten betrachten. Denn er zeigt Courage, indem er die soziale Kälte und die Missstände in der Weltherrschaft des Kapitalistischen Systems auf die Leinwand bringt. Zugleich bietet er damit sehr intime Einblicke in sein Leben, denn es sind seine Geschichten, die er hier erzählt. Geschichten, die er erlebt hat in seiner Kindheit in Großbritannien oder gesehen hat auf seinen zahlreichen Reisen durch die unterschiedlichsten Kulturkreise unserer Welt.

Seinen ganz persönlichen Stil – die grafischen Formen, die harmonischen Farben, die dicken, schwarzen Konturlinien und die immer wiederkehrenden Hochhäuser als Symbol erdrückender Mächte – hat er unabhängig von den Meisterkursen einer Kunstuniversität entwickelt. Ein Studium der Jazzmusik und Komposition, die Augen und Ohren immer offen für die Geschichten, die sich tagtäglich zutragen, und malen, malen, malen – das ist sein Weg, sozialpolitische Brandthemen eindrucksvoll und authentisch in seinen Kunstwerken zu verarbeiten.

Eine Anekdote noch zum Schluss: Im vergangenen Herbst saßen wir in seinem Atelier hier in München, ich schrieb und er hatte eine neue Leinwand aufgezogen. Er hielt den Bleistift schon in der Hand, konnte sich aber nicht überwinden, zu beginnen. Er würde ewig für den Anfang brauchen, monierte er. Loz wollte eine Hand zeichnen. Als er sich wieder zu mir umdrehte waren da diese Linien, formten eine Hand, die etwas zwischen Daumen und Zeigefinger festhält. „Das waren jetzt 15 Minuten“, sagte ich und er wollte es nicht glauben. Inzwischen ist es ein fertiges Gemälde und bringt mit seinem Titel eine von Loz’ zahlreichen Alltagsweisheiten mit dem typischen hoffnungsvoll bunt gefärbten, pessimistisch angehauchten Realismus auf den Punkt:
When we’re good they never remember, but when we’re bad they never forget.

Trotzdem und vor allem für den heutigen Abend wünsche ich Ihnen, dass die guten Eindrücke und die spannende Vielfalt dieser Künstlerpersönlichkeit und seiner Geschichten Einzug in Ihr Gedächtnis halten - dass Sie sich erinnern werden. Und beim Entdecken all dessen wünsche ich nun allen viel Vergnügen.