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Laudatio auf Loz Verney 2010
Laudatio zur Vernissage der Kunstausstellung „Vuwz“ von Loz Verney in der Färberei München am 19. November 2010

Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde, lieber Loz – Herzlich Willkommen!

Dies, das kennt sicher jeder, ist ein Kaleidoskop. Es ist kein Fernrohr, mit dem man in die Zukunft schaut: den Tunnelblick starr auf den Horizont gerichtet, um das Ziel so direkt wie möglich zu erreichen. Nein, wer auf das Leben wie durch ein Kaleidoskop blickt, lebt für den Moment. Durch ein Kaleidoskop betrachtet man die Details des Augenblicks. Man dreht das Ding oder verändert seinen Standpunkt minimal und siehe da: ein neues Bild. Die Welt ist ein lebendes Mosaik und je nach dem an welcher Stellschraube wir drehen – es verändert sich. Die Dinge verändern sich nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit dem Standpunkt, den wir einnehmen.

Das Leben ist eine Frage der Perspektive. Wie oft wollen die Menschen „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“. Aber die eine Wahrheit gibt es nicht. Wir leben alle unsere ganz eigene – und das hat nichts mit Schizophrenie oder so was zu tun. Es ist normal. Warum also scheuen wir uns davor zuzugeben, dass wir von Natur aus alle Individualisten sind, aber das Kollektiv suchen. Wir kommunizieren, um uns anderen mitzuteilen; um andere an unserer Weltsicht teilhaben zu lassen. Viel zu häufig versuchen wir, auf unserem einen Standpunkt zu verharren, anstatt auch mal eine neue Position einzunehmen. Das Kaleidoskop drehen!

„Es hat etwas Luxuriöses, im Herzen des Chaos still zu sein.“ sagte bereits die Schriftstellerin Virginia Woolf. Gönnen wir uns einen luxuriösen Moment der Stille. Um etwas Künstlerisches hervorzubringen, braucht es einen langen Moment der Stille, der Besinnung. Die kreative Energie, die dem Chaos entspringt, muss unter Konzentration gebündelt werden. Und ja, das Leben ist das reinste Chaos – aber dadurch auch Inspirationsquelle für die schönen Künste.

Loz Verney wurde in London geboren und ist in Roehampton aufgewachsen, einem Stadtteil, den man als sozialen Brennpunkt bezeichnen könnte. In seinen Werken reflektiert Loz seine Biographie, geht aber auch über den autobiographischen Aspekt hinaus. In sich wechselseitig durchdringenden Ebenen eröffnet er dem Betrachter einerseits einen sehr intimen Einblick in sein Leben. Andererseits entstehen dabei auch gesellschaftskritische Betrachtungen. Werte wie Freundschaft, Treue und Glaube stehen Szenen sozialer Kälte, Intrigen und Machtgier gegenüber. Er lotet Spannungsverhältnisse zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß, Gut und Böse aus. Auf Reisen in die unterschiedlichsten Kulturkreise unserer Erde konnte er sich von immer wiederkehrenden zwischenmenschlichen Problemen und Hoffnungen überzeugen. All seine Erfahrungen fließen mehr oder minder stark in seine Werke ein. Die schwarzen Konturlinien sind zu seinem unverkennbaren Stil herangewachsen. Sie bilden das Werkzeug, um die Bildwelten zu strukturieren, den Blick zu lenken und Ordnung ins Chaos zu bringen.

Der Titel seiner zweiten Ausstellung in der Färberei setzt sich zusammen aus den Buchstaben V – U – W – Z. Ich hoffe, ich bin nicht die einzige, die einen Augenblick überlegen und laut vor sich hin murmeln musste, bevor sie des Pudels Kern entdeckte: Views – Sichtweisen, Perspektiven, Anschauungen.

Und nun drehen Sie das Kaleidoskop. Betrachten Sie die Welt durch die Augen eines Anderen. Scheuen Sie sich nicht, auch mal einen Kopfstand zu machen – so manche Kunst versteht man dann besser. Auf jeden Fall aber werden sich Ihnen neue Perspektiven und Blickwinkel eröffnen. Und nun: Viel Spaß dabei!